Ostern wie nie – nah wie nie

Kolumne

Die Kolumne ist am 11./12. April 2020 in der Wochenzeitung FULDA AKTUELL erschienen.

Ostern mit dem Papst, aber ohne Gläubige auf dem Petersplatz. Ostern ohne Gottesdienst in der Kirche. Ostern ohne Besuch von Familie oder Freunden, teils ganz allein. So haben der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin ganz bewusst diese Auswirkungen der Corona-Pandemie für Millionen Gläubige gerade zu Ostern nochmals persönlich aufgegriffen und dabei um Verständnis für die Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit gebeten.

Noch lange werden wir davon erzählen, dass dies ein Ostern war wie nie. Corona beschert uns schwere Zeiten, auch Gefahr. Menschlich sind die Auswirkungen jedoch beachtlich. Familien unterstützen sich, in Nachbarschaft und bei Freunden fragt man, wie es um die Gesundheit und auch insgesamt steht. Enkel rufen bei Großeltern an, malen Bilder, Tausende - man glaubt es kaum - Briefe, viele reich verziert, werden verschickt. Über elektronische Wege kommen aufmunternde und hilfreiche Nachrichten. Insgesamt hat der Zwang, sich wegen des Virus voneinander fernzuhalten, menschlich etwas ganz anderes bewirkt: wir kommen uns näher. Das ist mitten in Unsicherheit und Krise ein starkes Zeichen der Hoffnung. Die Menschen wollen sich nicht unterkriegen lassen. Sie stärken im Gegenteil das Miteinander wie selten zuvor.

Klar: es gibt viele Sorgen. Existenzen, beruflich wie privat, sind unter Druck. Jeden Tag bin auch ich mit Einzelfällen befasst; da zählt nicht Zeit, sondern Einsatz, um Hilfe zu organisieren.

Überall gibt es so viel Hilfsbereitschaft, Rücksicht, auch neu empfundenen Respekt für viele, die oft als selbstverständlich kaum beachtet wurden. Die Beschäftigten in der Pflege, in Krankenhäusern, mobilen Dienste, Ärztinnen und Ärzte, im Einzelhandel, bei Post und anderen - selbst die oft kritisierte Verwaltung. Wie wertvoll ihre Arbeit ist, merkt man in der Krise besonders.

So bleibt mir, in dieser besonderen, schweren Zeit, Ihnen allen, von Mensch zu Mensch, ganz bewusst ein dennoch Frohes Osterfest zu wünschen. Wir können uns stützen, indem wir für einander da sind. Wir können miteinander reden, auch wenn wir uns nicht persönlich treffen können. Jeder kennt jemanden, der sich über einen Anruf freut, über einen Brief oder über eine schöne Geste. Lassen wir uns vom Virus nicht unterkriegen, zeigen wir weiter, dass wir füreinander da sind. Ein frohes und gesegnetes Osterfest!