Neue Dynamik: Weichenstellung für Osthessen nutzen!

13.04.2016
Beitrag

Michael Brand macht sich stark für den Ausbau der ICE-Strecke Fulda–Frankfurt. Der Namensbeitrag ist am 13. April in der FZ erschienen.

Manche Erfolge bestehen erst mal aus Papier: Aktuell wurde in Berlin der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorgestellt. Er legt auf 200 Seiten fest, in welche Straßen, Schienen und Wasserwege der Bund bis 2030 investiert. Für Fulda und Osthessen ist der neue BVWP auch ein Beweis, dass sich zähe Kärrnerarbeit auszahlt, das meist stille Arbeiten hinter den Kulissen.

Seit Jahrzehnten wird der so wichtige Aus-/Neubau der ICE-Strecke Fulda–Frankfurt gefordert, um vor allem das Nadelöhr zu beseitigen, auch Fahrtzeiten zu verkürzen. 1985 wurde das Projekt verankert, da war ich 12 Jahre alt. Konkrete Planungen und Geld gab es nicht, es drohte das Abstellgleis.

Seit meiner Wahl 2005 hat das Thema für mich absolute Priorität, weil es von strategischer Bedeutung für uns in Osthessen ist, für Mittelstand und Arbeitsplätze, für Pendler und Reisende, auf Jahrzehnte. Der ICE-Halt in Fulda ist eine echte Erfolgsgeschichte: Meist im Stundentakt und rasend schnell kommt man nach Frankfurt, Köln, Stuttgart, München oder Berlin. Dass der ICE-Bahnhof Fulda mitten in der Stadt liegt, wird heute als strategischer Vorteil für Reisende, Tourismus, Tagungsort gesehen – als diese Entscheidung anstand, war auch das umstritten.

Die Anbindung Fuldas 1991 an das ICE-Netz war ein wesentlicher Grund für den wirtschaftlichen Aufschwung in der Region, der ICE-Halt ein echtes Pfund im Wettbewerb um Investitionen und Arbeitsplätze. Nach der Deutschen Einheit von der Randlage in die die Mitte Deutschlands gerückt, profitiert die Region enorm mit guter ICE-Anbindung, Bundesstraßen, neuen Ortsumgehungen (zum Beispiel Dipperz, Wickers, Hünfeld), A7 und A66, der Nähe zum Frankfurter Flughafen. Infrastruktur und Mobilität bilden das Fundament von Wachstum, Wohlstand und Arbeit.

Heute ist die „alte“ Strecke Fulda–Frankfurt eine der meistbefahrenen in ganz Deutschland (bis zu 440 Züge täglich zwischen Fulda–Hanau bzw. Würzburg) und massiv überlastet. Pendler und Reisende von der Rhön über den Vogelsberg bis ins Kinzigtal erleben das täglich. Jahrzehnte steckte der Ausbau fest. Mancher beschwor das Scheitern, ich solle doch „vom toten Gaul steigen“! „Nie“ werde es gelingen den Bund zur Finanzierung der Planung zu gewinnen, bei einem der teuersten Mammutprojekte bundesweit.

Das Gegenteil ist eingetreten, vor allem weil wir drangeblieben sind, mit guten Kontakten, viel Energie und Zeit, Gespräche mit vielen Beteiligten vor Ort, von Kommunen über IHK bis zu BIs, mit Land, Bund, Bahnvorstand. Vor genau vier Jahren erhielt ich von Verkehrsminister Ramsauer die Zusage, dass die Strecke erstmals in den Investitionsrahmenplan aufgenommen wurde: Geld für konkrete Planungen, trotz knapper Kassen und harter Konkurrenz. Ein echter Teilerfolg in einem jahrelangen Ringen selbst um kleinste Fortschritte!

Ein Dialogforum tagt inzwischen regelmäßig, um Bürger, Kommunen, Initiativen einzubinden. Unterschiedliche Interessen sind hier versammelt, auch Bahnhofssanierungen und Lärmschutz spielen eine wichtige Rolle. Professionell und konstruktiv, so erlebe ich seit dem Start 2014 diese wichtige Arbeit. Sechs Grobkorridore für die Streckenführung wurden seither erarbeitet. Anfang 2017 will die Deutsche Bahn eine Antrags-Trasse vorlegen, wie mir letzte Woche der Leiter der Großprojekte von DB-Netze bei einem Gespräch in Frankfurt berichtete.

Bislang galt beim BVWP das Motto „Jeder darf sich alles wünschen“, Realisierungschance gering. Das hat Verkehrsminister Dobrindt beendet: Mittel und Projekte sind jetzt so synchronisiert, dass alle Projekte des „vordringlichen Bedarfs“, die Strecke Fulda–Frankfurt gehört dazu, bis 2030 finanziell auch umgesetzt werden können.

Es liegt noch ein steiniger Weg vor uns. Seit Beginn dieses „Marathons“ orientiere mich hier sehr an meinem Vorgänger Alfred Dregger, ohne dessen jahrzehntelangen und hartnäckigen Einsatz seit den 1970er (!) Jahren wir 2014 (!) eben nicht den Lückenschluss der A66 erleben hätten. Solche Mega-Projekte wie die ICE-Trasse brauchen: viel Arbeit, viel Stehvermögen und Ausdauer. Inzwischen ist die Weiche richtig gestellt. Allen ein Dank, die bislang daran mitgewirkt haben. Wir haben das Ziel klar vor Augen, werden nicht lockerlassen, bis zur Realisierung.

 

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