Was mich bewegt

Katastrophe mit biblischem Ausmaß

Michael Brand (37) appelliert, gemeinsamen gegen die Hungerkatastrophe in Afrika zu kämpfen. Der Autor gehört der CDU an, ist Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und direktgewählter Bundestagsabgeordneter aus Fulda. Wer helfen will, kann zur Rettung der bedrohten Menschen u.a. spenden an: Aktion Deutschland Hilft e.V., Spendenkonto: 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft in Köln, BLZ 370 205 00. Die Kolumne ist am 3. August 2011 in der "Fuldaer Zeitung" erschienen.


Die größte Hungerkatastrophe seit über 60 Jahren wütet vor den Augen der Welt in Ostafrika. Zehntausende Menschen sind bereits elend verhungert, und laut UN-Hilfsorganisationen sind gar Millionen vom Tod durch Verhungern bedroht. Hungernde schaffen es vor Erschöpfung nicht einmal mehr zu den Verteilstellen, und islamistische Terroristen mit Verbindung zu Al Kaida erklären gar, die Opfer sollten lieber verhungern, als sich von christlichen Helfern aus dem Westen vor dem Hungertod retten zu lassen. Die Lage der Menschen ist dramatisch: Ein deutscher Helfer berichtet von einer Mutter, die ihren 15-jährigen gelähmten Sohn mehr als 300 km (in Worten: dreihundert Kilometer!) in einer Schubkarre (!) geschoben hat, um ihr Kind zu retten.

Deutschlands Spendenbereitschaft ist privat wie staatlich ungebrochen, wir stehen mit an der Spitze der Helfenden. Das gilt nicht nur für die Region Osthessen, wenn auch hier wieder in besonders erfreulichen Maß. Dennoch: Wir können uns auf dem bereits Unternommenen nicht ausruhen.

In meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte kann ich nahezu täglich aus den Berichten der Bundesregierung, der Internationalen Gemeinschaft und der großartigen Hilfsorganisationen ablesen, wie sich vor unseren Augen diese Katastrophe biblischen Ausmaßes entfaltet. Und wir steuern mit allen Mitteln gegen, finanziell und mit Logistik. Die Gespräche mit der Bundesregierung zeigen: Die Mittel für den akuten Anlauf einer weltweiten Hilfe für die unschuldigen Opfer von Hunger, Terror und Unterentwicklung sind nur für die Akutphase ausreichend, aber jetzt brauchen wir Spenden für die deutlich intensivere Phase einer breiten Hilfsoperation in den nächsten Wochen und Monaten. Weil die am härtesten betroffenen Provinzen in Somalia sprichwörtlich keine Lebens-Grundlage mehr bieten, platzt im Nachbarland Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab aus allen Nähten: Statt 90.000 Menschen sind nun über 400.000 dorthin geflohen, um das nackte Überleben ihrer Kinder und Familien zu sichern.

Millionen sind zu schwach, sich überhaupt aus der Hungerzone retten zu können, weil der eigene Körper zu schwach geworden ist. Um diese Menschen wird gekämpft, dort werden die großen Anstrengungen hingehen: Per Schiff und Landweg in sichere Gebiete und in von Islamisten blockierte Notgebiete per Abwurf aus Luft werden Hunderttausende gerettet werden können. Diese teils übermenschliche Anstrengung der Helfer, der Organisationen und vor allem der betroffenen Familien, vom frisch geborenen Baby bis zum Greis, das wird allen Beteiligten dort viel und manchem auch hier bei uns einiges abverlangen. Dazu zählt auch, dass wir in Deutschland, private wie öffentliche Helfer, richtige Forderungen aufstellen statt billige Vorwürfe zu machen – wir müssen uns jetzt um die Menschen in Not, um die Rettung von Menschenleben kümmern, nicht um parteipolitische Münzen.

Auch deshalb haben wir nun Kontakte über die Parteigrenzen hinweg enger geknüpft, um die Hilfe für Ostafrika – bei allen bekannten Schwierigkeiten – national wie international so zu koordinieren, dass die unschuldigen Menschen am Horn von Afrika zuerst gerettet und danach in eine hoffentlich sichere und bessere Zukunft geführt werden können. Deutschland leistet viel an struktureller Hilfe, für Kleinbauern, schwangere Mütter, Genossenschaften, Trinkwasserversorgung und vieles mehr. Akut aber muss das Menschenrecht auf Leben für Millionen gesichert werden. Allen die daran mit tun, von hier aus der Region bis zu den Spendern und Helfern weltweit, sei zugerufen: nicht locker lassen – und allen ein „Vergelt's Gott!“