Brand und Denison sprachen über Afghanistan-Einsatz
FULDA. Mit einer viel diskutierten Frage setzte sich ein Vortragsabend der German-American Cultural Association (GABACA) auseinander.
„Was ist in Afghanistan noch zu gewinnen?“ lautete das Thema, zu dem zwei Referenten in der Münsterfeldhalle Stellung bezogen. Dr. Andrew B. Denison erklärte, dass US-Präsident Barrack Obama das Engagement in Afghanistan zu seiner eigenen Sache gemacht habe. Zentrale Ziele seien Sicherheit sowie eine strukturierte Staatlichkeit und wirtschaftliche Entwicklung für dieses Land, so der Direktor des Forschungsverbundes Transatlantic Networks in Königswinter. Die USA seien inzwischen kriegsmüde, aber die meisten Bürger befürworteten wie Obama einen verantwortungsvollen Rückzug. „Dieser soll so gestaltet werden, dass man Afghanistan weitere Fortschritte ermöglicht, auch wenn es nicht zu einer Schweiz am Hindukusch wird“, sagte Denison. Der Rückzug werde sicher ein Prozess sein. Wenn Obama Ende 2011 als Termin genannt habe, so werde damit der Druck für die Afghanen aufrechterhalten, Grabenkämpfe untereinander zu beenden. Außerdem könnten die Taliban angesichts dieser Ankündigung nicht mehr argumentieren, dass die USA eine Besatzungsmacht seien, erklärte Denison.
GABACA lud zur Diskussion
Der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand nannte als Ziele des Einsatzes „einen dauerhaften Fortschritt für Afghanistan und für unsere eigene Sicherheit“. Der CDU-Politiker gab zu bedenken: „Auch nach dem Ende des Kalten Krieges darf die globale Frage der Friedenssicherung nicht ad acta gelegt werden.“ Es gehe in Afghanistan nicht zuletzt „um unsere akute Sicherheit“, wenn man zum Beispiel an die vereitelten Pläne der „Sauerland-Gruppe“ oder der Kofferbomber denke. „Wir sind im Zielradar der Terroristen“, sagte Brand. Deshalb müsse man am Hindukusch nicht nur den Aufbau des Landes schützen, sondern auch Terroristen und fanatische Extremisten bekämpfen. Dort finde inzwischen ein Krieg statt, wenn auch nicht im völkerrechtlichen Sinne. „Falls Afghanistan und Pakistan dem Terrornetzwerk Al Quaida sowie extremistischen Taliban in die Hände fielen, dann wäre dies ein GAU der internationalen Sicherheitspolitik“, erklärte er.
Aus diesem Grund sieht er Deutschland gemeinsam mit den USA und den anderen beteiligten Staaten „zum Erfolg verdammt“. Dabei müsse man sich freilich von der Vorstellung verabschieden, Afghanistan in eine Demokratie nach westlichem Vorbild verwandeln zu können. Der für Ende 2011 angekündigte Rückzug der USA werde sich sicherlich hinziehen: „Letztlich gilt es, so lange zu bleiben wie nötig.“ Brand weiß aus Gesprächen in Afghanistan, dass sich die dort eingesetzten deutschen Soldaten mehr Unterstützung aus der Heimat wünschten: „Sie halten ihren Kopf für unsere Sicherheit hin und fühlen sich von Teilen der Politik sowie der Gesellschaft in Deutschland im Stich gelassen.“
Zu Beginn hatte der Bundestagsabgeordnete die Verdienste des Vereins GABACA um die deutsch-amerikanische Freundschaft hervorgehoben und die jetzt Zweite Vorsitzende Renate Stieber besonders gewürdigt. Stieber führte durch den Abend, an dessen Ende der neue Erste Vorsitzende Michael Schwab ankündigte, dass GABACA nun regelmäßig Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen anbieten wolle.
(Dieser Artikel wurde am 26. August 2010 in der "Fuldaer Zeitung" veröffentlicht)
Schlagworte: Afghanistan, Deutsch-Amerikanische Freundschaft, Pakistan, ISAF, NATO, ziviler Aufbau, Obama