21.10.2011 - Bund
Themengebiet: Außenpolitik
"Es geht um Menschenrettung" - Lage in Ostafika spitzt sich zu
AKTUELLES EXPERTEN-GESPRÄCH - KRISE IN OSTAFRIKA
Hungerkatastrophe und militärischer Konflikt
aus aktuellem Anlass hat der Deutsche Bundestag zu einem Expertengespräch zur Lage in Ostafrika eingeladen. Dort droht nach UN-Angaben die größte Hungerkatastrophe nach 60 Jahren, weitere 750.000 Menschen sind akut vom Hungertod bedroht, zudem droht der Krieg in Somalia die Nachbarländer anzustecken, wie das erstmalige Einmarschieren der kenianischen Armee in Somalia gegen die gegen die islamistische Al Shaabab - Miliz zeigt.
Der Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe hat namhafte Experten eingeladen, die aktuelle Ereignisse und Gefahren analysieren und Fragen kompetent beantworten. Als Experten der Anhörung standen zur Verfügung:
-Heribert Scharrenbroich, Care Deutschland-Luxemburg (Präsident)
-Thomas Just, Grünhelme e.V. (Leiter des Büros bei Bundestag und Bundesregierung)
-Frank Franke, Luftfahrt ohne Grenzen e. V.
-Dr. Wolfgang Jamann, Welthungerhilfe (Generalsekretär)
-Ralf Südhoff, World Food Programme (Leiter des Büros bei Bundestag und Bundesregierung)
-Christoph Waffenschmidt, World Vision Deutschland e.V. (Vorstandsvorsitzender)
Die "Katholische Nachrichten-Agentur" berichtete vom Expertengespräch am 20. Oktober 2011 wie folgt:
Menschenrechtsausschuss: Mehr nachhaltige Hilfe für Ostafrika
Berlin (KNA) Der Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat mehr Aufbauhilfe statt nur Nothilfe in den Hungergebieten am Horn von Afrika angemahnt. «Erfolge werden nur durch Nachhaltigkeit erreicht», forderte der Ausschussvorsitzende Tom Koenigs (Grüne) nach einer Expertenanhörung zur Lage in Ostafrika am Donnerstag in Berlin. Dies bestätigten die Lageberichte der eingeladenen Hilfsorganisationen.
Die Gründe für die Hungerkrise, «Krieg, hohe Lebensmittelpreise und Dürre», haben laut Koenigs alle einen durch Menschen verschuldeten Anteil. «Selbst die Trockenheit ist durch den Klimawandel menschengemacht», sagte er. Für die konkrete Arbeit der Helfer nannte der Vorsitzende zwei Probleme: Zum einen sei die Finanzierung der Hilfe erst zur Hälfte gedeckt. Zum anderen erschwere «die immer noch sehr schlechte Sicherheitslage» den Zugang zu den Hilfsbedürftigen.
Der stellvertretende Vorsitzende, Michael Brand (CDU), sprach von einer «Katastrophe biblischen Ausmaßes». Der Höhepunkt sei aber noch nicht erreicht. Die Bundesregierung müsse jetzt einen langen Atem beweisen und dürfe nicht nachlassen. «Neben Euro-, und Klimarettung geht es auch um Menschenrettung», mahnte Brand.
Der Präsident der Hilfsorganisation «Wings of help», Frank Franke, kritisierte: «Seit die Finanzkrise die Hungerkatastrophe als Thema aus den Medien verdrängt hat, sind unsere Spendeneinnahmen zurückgegangen.» Lediglich über die kirchlichen Partner kämen immer noch regelmäßig Spenden.
Die Hilfsorganisation CARE forderte die Regierung auf, stärker auf präventive Maßnahmen zu setzen. «Korrupte Regierungen dürfen nicht mit Entwicklungshilfe unterstützt werden», so der Vorsitzende Heribert Scharrenbroich. Eine gute Regierungsführung in den betroffenen Ländern entscheide über den Erfolg von Hilfsleistungen. Die Krise in Somalia wird sich nach Einschätzung von Scharrenbroich noch weiter verschärfen. Trotz der einsetzenden Regenzeit könne erst im Frühjahr 2012 geerntet werden.
(Quelle Fotos: (c) Deutscher Bundestag / Lichtblick/Achim Melde)
Schlagworte: Menschenrechte, Ostafrika