01.10.2011 - Bund
Themengebiet: Europa
Nicht über den Berg
Mit der Entscheidung des Bundestages zum Euro-Rettungsschirm ist die Qual nicht zu Ende. So ist offen, ob am Ende alle 17 Euro-Staaten dem gefundenen Mechanismus zustimmen- Ende Oktober wissen wir mehr. Dann ist bei allem guten Wollen nicht gesichert, dass der Rettungsschirm auch rettet, was er retten soll. Was aber erreicht ist, ist bei allen Zweifeln wichtig genug: wir bekommen einen Mechanismus, der eine ungeordnete Insolvenz von Staaten mit einer unvorhersehbaren Kettenreaktion - vor allem auch für unser Land, unsere Sparer, unsere Arbeitsplätze - bremst und ordnen kann. Das ist keine Rettung vor den Schuldenproblemen, aber es ist der Anfang einer sicher noch lange laufenden Operation. Zur Zeit operieren wir "am offenen Herzen", später hoffentlich mit konkreten Resultaten sprich: Stabilität. Um das zu erreichen, geht es um viel. Schuldenabbau, wenn auch schmerzhaft, bleibt die Hauptaufgabe. Die Kraft des Euro hat Schuldner länger über Wasser gehalten - nun müssen sie dennoch Farbe bekennen. Der Euro-Raum ist stark genug, um bei klugem Vorgehen die Rettung von Wackelkandidaten zu schaffen. Ohne Preis und Schweiß der Schuldner geht das nicht: Fässer ohne Boden werden nicht durch Kredite voll, sondern durch Reparatur der Löcher und durch ein stabiles Fundament. Konkret: Griechenland ist ein Sanierungsfall, der klappen kann, aber nicht muss. Wenn's schief geht, so haben wir mit dem Beschluss die Brandmauer höher gebaut - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir sind nicht über den Berg. Es bleibt viel zu tun, und es wird nicht einfach.
(Die Kolumne "Brand aktuell" ist am 1. Oktober 2011 in "Fulda aktuell" erschienen.)
Schlagworte: ESFS, EURO Stabilität