21.09.2011 - Bund
Der Papst spricht - Gott sei Dank!
Michael Brand (37) freut sich auf die Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag und erwartet eine nachdenkliche und frohe Botschaft. Der Autor gehört der CDU an und ist direkt gewählter Bundestagsabgeordneter. Der Namensartikel ist am 21. September in der "Fuldaer Zeitung" erschienen.
Wenn eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Erde auf Einladung vor dem Deutschen Bundestag an die Deutschen spricht, ist das ein Anlass zu freudiger Erwartung. Noch mehr gilt das, wenn es sich um den ersten deutschen Papst seit mehr als 500 Jahren handelt. Wer "boykottiert", dokumentiert mangelnden Mut vor Worten und mangelnde Souveränität. Viele der Boykotteure haben bei Putins Bundestagsrede heftig geklatscht: "an Ihren Freunden sollt Ihr sie erkennen", fällt einem dazu ein.
Der Papst wird diesen "Sturm im Wasserglas" aushalten - "die Deutschen" aber wirken international dabei seltsam fremd, auch durch überzogene Darstellung der Minderheit in manchen Medien. Erst kürzlich in Madrid wurde der Papst von Staat und Gesellschaft und von 1,5 Millionen Menschen bei der Messe gefeiert - auch in Berlin war das Olympiastadion für 100.000 Menschen schnell "ausverkauft". Sprichwörtlich auf der ganzen Welt wird dem Papst auch der Respekt gegenüber der Christenheit zuteil, und dies auch in islamischen Ländern. Selbst im seinerzeit kommunistischen Polen wurde der aus Polen stammenden Papst Johannes II. mit allen Ehren behandelt.
Die Erzkritiker müssen sich schon fragen lassen, warum man einen der bedeutendsten Repräsentanten dieser Welt, aus dem eigenen Land, nicht einfach mit Vorfreude und Offenheit empfangen kann. In welchem Zustand ist ein Volk der "Dichter und Denker", wenn in unserer offenen Gesellschaft teils wüste Kritiker eine Rede massiv bekämpfen, bevor sie überhaupt begonnen hat? Vom unzweifelhaft wichtigsten christlichen Repräsentant der Welt, dem auch als Intellektueller und Denker anerkannten Papst Benedikt XVI. kann einiges an Denkanstößen erwartet werden, nicht nur für Christen.
Dass sich der Papst auf eigenen Wunsch mit der evangelischen Kirche im Kloster Martin Luthers trifft, ist eine besondere Geste, die auf Impulse für die Ökumene hoffen lässt. Die Kirchen stehen vor großen Aufgaben, wo Gottvergessenheit eingezogen ist. Dabei geht es nicht darum, kritische Fragen der Zeit an die Kirchen außen vor zu lassen. Insgesamt jedoch nehmen die Kirchen die Sorgen der Menschen intensiver auf als andere. Sie zählen zu den scharfen Kritikern des Ökonomismus, treten ein für Gerechtigkeit und Frieden, den Dialog der Religionen, die letztlich eine Mehrheit der Erdbevölkerung umfassen: es gibt deutlich mehr gläubige Menschen auf der Welt als nichtgläubige.
Deutschland ist kein religionsneutrales Land: in „Verantwortung vor Gott und den Menschen" heißt es in unserer Verfassung als allererstes. Staat und Kirche sind getrennt, dabei stehen die Religionen unter dem besonderen Schutz des Staates. Gottlose Zeiten waren gerade in der jüngeren deutschen Geschichte schreckliche Zeiten. Unsere Vorstellung von Grundrechten stammt aus dem christlichen Fundament. Wenn wir also Gott in unserer Verfassung bewusst nennen, dann ist das gut so und wichtig für vieles, was daraus an Achtung und Würde des menschlichen Lebens folgt.
So hatte der "polnische" Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980 bei seinem ersten Deutschland-Besuch, in Fulda, die Deutschen an die christlichen Werte und den Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende erinnert. Bis heute behält jeder damals gesagte Satz volle Gültigkeit und ist Mahnung auch angesichts aktueller Entscheidungen zu ethischen Fragen. Wer im Parlament sitzt, muss zuhören können, und die Kirchen haben Wichtiges beizutragen.
Wenn sich der Berliner Bürgermeister mit teils radikalen Protesten gemein macht, ist das nicht "gut so", sondern billig - und es hat kein Format. Ähnlich kleinkariert, und gar intolerant, ist der Boykott einer Rede durch Abgeordnete - deren Plätze rasch von anderen eingenommen wurden, die zuhören können und gerne zuhören.
Ich jedenfalls bin als Abgeordneter des Deutschen Bundestages "heilfroh" für diese einmalige Gelegenheit, den Papst aus Deutschland vor dem Parlament der Deutschen zu hören. Eine nachdenkliche und frohe Botschaft erwarte ich mir, und mit mir die allermeisten. Der Papst spricht im Bundestag – Gott sei Dank!
Schlagworte: Papst Johannes Paul II, Deutscher Bundestag, Verantwortung vor Gott und den Menschen, Papst Benedikt XVI.