Randnotizen einer Wahl –
Über den Tag der Bundesversammlung
Der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) war einer der 1244 Wahlleute der Bundesversammlung. Für unsere Leser schildert er exklusiv seine Eindrücke. (erschienen am 1. Juli 2010 in der "Fuldaer Zeitung"):
"Es ist vollbracht!" wollte man froh und erleichtert seufzen. Um 21.22 Uhr nahm der neu gewählte Bundespräsident sein Amt an. Seinen Rücktritt als Ministerpräsident hatte er bereits zuvor erklärt, so dass Christian Wulff bereits seit gestern Abend im Amt ist. "Wir haben wieder einen Präsidenten!" lautet die gute Botschaft dieses 30. Juni.
Es war ein gutes Beispiel, dass der neue Bundespräsident mit persönlicher Geste den unterlegenen Joachim Gauck zu Recht sehr würdigte. Alle Beteiligten konnten sich von der offenen, sympathischen Art des neuen Bundespräsidenten anstecken lassen.
Die 14. Bundesversammlung war mit neuneinhalb Stunden die historisch längste, und sie war einer der spannendsten. Nicht nur diejenigen, die - wie auch ich - ihren Kandidaten zum Bundespräsidenten haben wählen können, waren am Ende eines Wahl-Marathons froh, dass es geschafft war.
Der Tag hatte zuversichtlich und optimistisch begonnen. In der katholischen St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin wählte der EKD-Bevollmächtigte Felmberg für den ökumenischen Gottesdienst als erstes Lied "All Morgen ist ganz frisch und neu" - eine gute Intonation für einen so wichtigen Tag. Vor dem spannenden Tag hatte ich dem Kandidaten Wulff eine optimistische SMS geschickt, auf die er, typisch für ihn, prompt und sehr freundlich antwortete.
Am Wahltag war ich gemeinsam mit anderen Kollegen immer nah dran am Ergebnis: wir hatten als Schriftführer die ehrenvolle Pflicht, die Stimmzettel zur Wahl unseres Staatsoberhauptes auszuzählen - bekanntlich drei Mal! Dass mich das Ergebnis des zweiten Wahlganges nicht erfreut hatte, wurde mir von Freunden per SMS unmittelbar bescheinigt. Sie hatten bei der Live-Übertragung gesehen, wie ich neben unserem Bundestagspräsidenten Lammert meine Enttäuschung über das (noch) nicht ausreichende Ergebnis offenbar nicht verbergen konnte.
Dennoch habe ich nie gezweifelt: so hatte der jetzige Bundespräsident im ersten und zweiten Wahlgang über hundert Stimmen Vorsprung vor dem ebenfalls beachtlichen Kandidaten Gauck. Und er steigerte sich von Wahlgang zu Wahlgang, und versammelte am Ende die absolute Mehrheit der Bundesversammlung hinter sich.
Es bleibt ein sehr positives und stärkendes Moment, dass es einen sehr fairen und inhaltsreichen Wettbewerb der beiden Kandidaten ums höchste Staatsamt gab. Beide Kandidaten sprechen mit Respekt übereinander. Auch deshalb habe ich unmittelbar nach der Wahl neben dem neuen Bundespräsidenten auch Joachim Gauck herzlich gratuliert.
Am Morgen hatte Bundestagspräsident Lammert zu Beginn der Bundesversammlung zu einem "aufgeklärten, fröhlichen Patriotismus" eingeladen. Es war ein erhebendes Gefühl, als am Ende eines langen Tages die Bundesversammlung nach der Dankesrede unseres neuen Bundespräsidenten das Lied der Deutschen anstimmte. Bundespräsident Wulff wird mit seiner offenen, sympathischen Ausstrahlung, seiner Kompetenz und seiner Bodenhaftung unserem Land und uns, den Deutschen, ein sehr guter Bundespräsident sein.